Wind

Wind

Ich bin auf dem Weg zur Arbeit.
Überall liegen am Straßenrand
knöcheltief die welken Blätter.
Auch auf den Gehwegen hat der Wind
lange Blätterdünen aufgehäuft.

Ich kann nicht widerstehen
und laufe beglückt durch diese Blätterhaufen.
Als Kind machte ich das leidenschaftlich gerne.
Es ist ein unbeschreibliches Gefühl,
ein Vorgeschmack auf den Winter, den Schnee.

Ob Blätter- oder Schneemasse, fast egal.
Beides bietet sanften Widerstand,
beides wirbelt hoch in die Luft,
wenn man richtig durchmarschiert.
Naja, einen Unterschied gibt es:

Blätter sind bunt und verschieden und vor allem:
sie rascheln so herrlich schön!
Damals lauschte  ich von ganzem Herzen
den Geschichten, die sie mir erzählten,
wenn sie hochwirbelten und dann sanft zu Boden glitten.

Aber nichts gegen Schnee!
Er kann so schön knirschen,
man kann Spuren legen
und manchmal kommt er in so dicken Flocken,
daß man sie auffangen und bewundern kann.

Aber da ist die Straße und die Ampel
und die Schulkinder, die durch die Blätter jagen,
daß es die reinste Freude ist.
Leider bin ich so knapp hinter ihnen,
daß es für mich keine Blätter zum Rascheln gibt.

Aber hinter der Schule gibt es ja auch noch Gehwege,
gibt es noch Blätterberge zum Durchlaufen!


Gabriele Fleischhacker
24.10.2002