Sie und ich -wir?

Sie und ich – wir?

Wie sie die Tür öffnet:
die selbe Angst,
der selbe Schmerz.

Und dann setzt sie sich:
die selbe Stärke,
der selbe Mut.

Aber sie ist auch, nicht wie ich.
Dieser samtene Teint,
dieses perfekte Make-up.
Chanelkostüm,
Chanelkette,
Chaneltasche
und die Schuhe selbstverständlich in den selbem
Taubenblau wie das Kostüm.

So ‚ne Lady werd‘ ich nie.
Ich bewundere sie.

Aber je länger ich schaue,
desto mehr bekomme ich den Eindruck,
dass ihr etwas Entscheidendes fehlt.

Zum „zu Tode betrübt“ beim Einsteigen
gehört nicht „ich bin ‚ne Lady“,
sondern „himmelhochjauchzend“.

Ja, das fehlt ihr.
Mir nicht.

Wenn der Wind mit den Blättern singt,
dann singt er nicht:
„...und all‘ die Zweige rauschten,
als riefen sie mir zu:
komm‘ her zu mir Geselle,
hier findest du deine Ruh...“.
Nein, er singt:
„...Brüderchen, ach tanz‘ mit mir,
beide Hände reich‘ ich Dir,
einmal hin, einmal her,
rundherum das ist nicht schwer.“

Wo immer Du jetzt auch bist:
Ich wünsche Dir alles Gute, Schwester!


Gabriele Fleischhacker
16.10.2003