Sehen I.

Sehen

Ein komischer Zustand.
Draußen ist alles so. Na ja.
Der Himmel ist grau.
Die Straße ist grau.
Die Menschen sind grau.
Eigentlich fade.

Und dennoch
ist alles so klar und rein,
so scharf gezeichnet,
übergenau.

Ich bin mir sicher,
wenn drüben jemand
hinter den Vorhängen stünde,
ich könnte jede Strähne
seines Haares sehen.
Und ein ganzer Parkplatz
liegt zwischen uns!

Ich ahne, hoffe,
daß mein Blick
noch schärfer
und zugleich
verschwommener wird.

Dann kann ich
die Elfen und Feen
endlich sehen,
werde sie beim Tanzen,
Singen und Spielen beobachten
und ich freue mich so sehr,
daß ich sie sehe,
obwohl ich nichts sehe.

Gabriele Fleischhacker
6.12.2001