Sehen III.

Sehen

Andere Möglichkeit:

Ein Meer von Zelten
in allen Größen und Formen,
hunderte bunte Wimpel,
die im frischen Wind knattern.

Gaukler, Musikanten,
Künstler und Akrobaten,
daß Dir vor Staunen
der Mund offen bleibt!

Feinste Stoffe und edle Gewänder
mit Edelsteinen übersät
und verwegene Hutkreationen
für die Damen der Gesellschaft.

Und die schimmernden Geschmeide,
zart wie Spinnweben
und die Salben, Essenzen und Tinkturen
in hauchzarten, wundervollen Gefäßen.

Pokale, Teller und Schalen
aus purem Gold
fangen das Sonnenlicht ein -
Luxus pur.

Mannshohe Bogen,
Zauberschwerter,
Klingen in allen Variationen
und geheimnisvolle Pfeile.

Nicht zu vergessen die Gaumenfreuden!
Buffets in verschwenderischer Fülle
bieten Obst an und Gemüse und Fisch und Fleisch
und als Krönung: die Desserts und Kuchen!

Ganze Paläste aus Sahneeis auf gefrorenem Wasser,
auf denen Puddingboote mit Kekssegeln schwimmen,
umgeben von Kuchenbergen, auf denen
Zuckerfiguren unter Zuckerbäumen flanieren.

Und mittendrin stehe ich,
überwältigt von den Farben,
den Klängen und Gerüchen
in nie gekannter Zahl.

Und erst die Elben!
Groß und schmal und ätherisch schön
schauen sie herab auf mich,
halb gelangweilt, halb mitleidig.

Aber das macht mir nichts aus.
Ich bin hier! Ich bin hier!
Ich nehme all den Glanz in mir auf
bis in meine letzte Faser.

Alles schaue ich mir an,
Alles und Jeden.
Alles probiere ich,
bis ich müde werde und einschlafe.

Dann läutet der Wecker
und ich bin verwirrt.
Wo bin ich?
Egal, ich weiß, wo ich war.

Gabriele Fleischhacker
7.12.2001