Schmerz

Schmerz

Himmelblau,
ja der Himmel ist himmelblau,
zart und duftig und voller Glanz.

Lose Wolkenbündel
zeichnen weiße Streifen darauf,
wie mit einem Pinsel gezogen.

Diese Wolkenbündel aber,
die werden immer mehr,
werden größer und größer.

Sie schließen dieses Himmelblau aus,
bis nur noch eine graue Wand
am Himmel steht, undurchdringlich.

In meinem Herzen
wird es dunkler und dunkler,
bis auch der letzte helle Fleck verschwindet.

Flammende Blitze
voller Schmerz und Trauer
durchzucken mich.

Jetzt habe ich eh so schlecht geträumt
von kleinen bösartigen Tieren,
die sich in Pflanzen versteckten.

Und als ich sie verjagen wollte,
hieben sie mit ihren spitzen Schnäbeln
auf mich ein und ihre Augen verhöhnten mich.

Ich konnte mir nicht helfen,
geriet in Panik,
warf ein Tuch über sie.

Sie aber zappelten wild.
Das Tuch schien zu leben,
böse zu leben.

Als  es sich hob,
erwachte ich vor Entsetzen,
Gott sei Dank.

Mein erster Gedanke:
Mensch, bist du blöd.
Brauchst doch nur das Fenster aufmachen.

Dann erwachte ich wirklich
und dachte wieder:
Mensch, bist du blöd.

Du kannst doch das Fenster nicht aufmachen,
wenn da Blumentöpfe davor stehen.
Die werden doch kaputt.

Also gibt es keine Lösung?
Wenn doch nur der Schmerz nicht so groß wäre.
Ganz taub bin ich schon.

Ich schaue auf die graue Wand vor mir
und plötzlich scheint die Sonne wieder.
Es wird hell, wenigstens vor mir.

Wenigstens vor mir.


Gabriele Fleischhacker
5.9.2002