Meerstern

Meerstern

„Meerstern ich Dich grüße,
oh Maria hilf!
Gottesmutter süße,
oh Maria hilf!

Maria hilf uns allen
aus unsrer tiefen Not.”

Immer wenn ich das früher
in der Kirche sang,
war ich irgendwie getröstet,
fühlte mich verstanden.

Einmal träumte ich,
ich wäre auf einer
fremden Insel gestrandet
und am Ufer standen viele Menschen.

Sie schienen auf etwas zu warten
oder auf jemanden?
Was wußte ich denn?
Aber alle sahen in meine Richtung.

Ich drehte mich um,
sah auf das Meer hinaus.
Aber niemand kam.
Kein Schiff in Sicht.

Ich wandte mich wieder der Menge zu.
Kein Zweifel,
sie meinten mich,
sie erwarteten etwas von mir.

Aber was wollten die von mir?
Sie kannten mich doch nicht!
Ich war doch fremd hier!
Hilflos hob ich die Schultern.

Doch unbeirrt schauten sie auf mich,
in ihren Augen Kummer, Schmerz, Verzweiflung.
Ich wandte mich wieder dem Meer zu,
den unablässig heran rollenden Wogen.

Ich dachte an den Moment meiner Ankunft.
Kalte Füße auf kaltem Sand.
Kalter Wind und eine Dunkelheit,
die in mein Herz kroch.

Und an die Sterne,
die sich im Wasser vor mir spiegelten.
Sterne im Meer.
Meersterne.

Mir fiel das Lied wieder ein,
das mir in meiner Kindheit so geholfen hatte.
Was konnte es schaden?
So fing ich an zu singen.

Ich sang und sang.
Zuerst fielen nur vereinzelt Stimmen ein.
Dann wurden es immer mehr.
Unser Gesang war wie eine große Woge.

Als hätte sie nur darauf gewartet,
ging die Sonne auf.
Wärme überflutete den Strand
und unsere Herzen.

Ich war glücklich,
wir alle waren glücklich und froh,
der Dunkelheit und der Kälte
entronnen zu sein.

Möge es wieder so sein
wenn ich singe:
“Meerstern ich dich grüße,
oh Maria hilf!”


Gabriele Fleischhacker
17.7.2002