Gabrielle

Gabrielle

Sie schweigt.

Ein zartes Nichts von Schleier
umhüllt ihre Haare,
fällt unter ihren Augen
über das Gesicht herab.

Ihre Nase.
Ist sie lang und schmal?
Du kannst es nicht erkennen.
Zu leicht liegt der feine Stoff darauf.

Ihr voller Mund
zeichnet sich schemenhaft ab.
Er ist geschlossen.
Weich und doch bestimmt.

Ist ihr Kinn energisch oder rund?
Hat es ein Grübchen?
Zu diffus ist die Kontur
hinter dem Schleier.

Sie schweigt,
doch ihre Augen reden.

Wie dunkle Seen
schweben sie über dem weißen Stoff.
Sie schauen ins Nirgendwo,
schauen Dir ins Herz.

Und Du weißt: Sie weiß.
Sie weiß von der Göttin.
Hat sie gesehen.
Hat mir ihr gesprochen.

Und große Freude steigt in ihr auf,
bricht sich die Bahn,
überschwemmt sie,
erfüllt sie ganz und gar.

Sie schweigt,
doch ihre Augen strahlen.

Es trifft Dich mitten ins Herz
und Du schnappst nach Luft.
Langsam atmest Du aus,
doch Dein Herz schlägt noch wie verrückt.

Kann es sein?
Du schaust ihr in die Augen,
versinkst in ihnen,
wirst eins mit ihr.

Und Du weißt –
Und schweigst.


Gabriele Fleischhacker
FFB, den 28.6.07, 21.30 Uhr