Engel des Lichts

Engel des Lichts

Oh Engel des Lichts,
was tust Du hier in der Nacht?

Aus Deinen diamantenen Augen
blitzt die Unendlichkeit,
aus Deinem Mund strömt
der Odem des Himmels,
duftverhangen und weich.

Deine Stirn ist
so klar und glatt
wie der Spiegel eines Sees
und Dein Lächeln verheißt
reine Glückseligkeit.

Dein seidig weißes Haar
umschmeichelt Dein
alabaster farbenes Gesicht
und weckt den Wunsch
nach Berührung.

Dein Körper
ist zu ätherisch,
zu vollkommen.
Du bist wahrlich nicht
von dieser Welt.

Und Deine Flügel!
Gleich farbigen Fluten
umfassen sie
Deine schneegleiche,
zerbrechlich wirkende Erscheinung.

Noch nie sah ich
so strahlende Farben.
Dem Regenbogen gleich
glitzern sie um die Wette,
erhellen mein Herz.

Kein Edelstein,
und sei er noch
so schön und rein,
erreicht die Pracht
Deiner herrlichen Schwingen.

Voller Freude
öffne ich weit
meine Arme,
umschlinge
das prächtige Rot,

das warme Orange,
das strahlende Gelb,
das satte Grün,
das unglaubliche Blau und
das sinnliche Violett.

All das
wird durchdrungen
von einem
perlmutt farbenem
schimmernden Weiß,

das mich umhüllt,
emporhebt, immer weiter,
ganz nach oben
und mein Herz
tanzt mit den Sternen.

Ist es so im Himmel?
So üppig, so farbig, so froh?
So rein, so klar?
Ich bin hingerissen,
entzückt, entrückt.

Wieder schaue ich Dich an.
Oh, diese Farben
sehen, fühlen, schmecken.
Unvergleichlich. Himmlisch.
Ach, Deine Flügel sind so schön!

Sie reichen Dir
vom Kopf bis zu den Füßen.
Doch Du trägst sie,
als hätten sie kein Gewicht.
Kommt daher das Wort "federleicht"?

Ein goldener Stern
prangt auf Deiner Stirn.
Erst jetzt entdecke ich
seinen märchenhaften Schimmer.
Er ist die Verheißung selbst.

Für einen kurzen Moment
zuckt eine Erinnerung hoch.
Nicht meine, nein,
eine kollektive Erinnerung?
an eine andere Welt.

Fassungslos stehe ich da,
mit brennendem Herzen
und zitternden Gliedern,
allein in Deiner Gegenwart.
Kann es wahr sein?

Unfassbares Glück erfüllt mich
ob Deines Lächelns,
Angst erstickt mich
ob Deines durchdringenden Blicks,
der Alles enthüllt.

Hitze steigt in mir hoch,
gefolgt von Kälte,
die sich in jedem Molekül
meines Körpers festsetzt.
Warum?

Und dann verschwindest Du,
von einem Augenblick zum andern.
Einfach so.
Mein Körper reagierte also schon
bevor meine Augen sahen.

Du bist nicht mehr da,
doch meine Seele
sieht Dich noch da stehen,
mein Herz fühlt noch immer
Deine herrliche Gegenwart.

Wie viel Zeit vergeht?
Ich weiß es nicht.
Es interessiert mich auch nicht.
Nur Eines weiß ich:
DU BIST NICHT MEHR DA.

Verloren stehe ich im Nebel,
einsam, verstört und leer.
Ich schaue in den grauen Himmel,
sehe die nackten Bäume
und das feuchte Laub im Gras.

Warum warst Du da?
Wie kannst Du mir nur
Licht und Wärme,
Freude und Liebe schenken –
und mich dann allein lassen?

Tief atme ich ein,
um wenigstens
noch einen Hauch
von Dir zu erhaschen.
Doch umsonst.

Ich spüre nur
Feuchtigkeit und Kälte,
sehe nur
das Grau in Grau
des Nebels.

Ich gehe nach Hause,
nach Fassung ringend,
unsicher und verwirrt.
Nur ein Gedanke
beherrscht mich:

Warum.
Warum durfte ich
Deine Glanz sehen.
Warum gingst
Du wieder?


Gabriele Fleischhacker
FFB, den 26.11.2008