Dunkelheit

Dunkelheit
und Schwärze

Dunkelheit, Schwärze.
Angst und doch Geborgenheit.
Man sieht mich nicht
und das ist gut.
Mein Herz pocht so laut
daß ich Angst habe,
es verrät mich.

Ganz fest presse ich
meine Fäuste
auf diesen Verräter
bis mir schwarz vor Augen wird.
Irgendwie lustig:
Schwarz vor Augen
in dieser Schwärze.

Nun sirrt es in meinem Kopf
und ich muß
die Fäuste runter nehmen,
verliere meine Deckung.
Aber es geht nicht anders,
sonst werde ich bewußtlos
und somit vollkommen hilflos.

Das darf auf keinen Fall -
geschehen.
Auf keinen Fall.
Lieber leiden.
Ganz still –
mit zerspringendem Herz –
wo sind all‘ diese Splitter hin?

Dann kommt das Licht.
Ich hasse das Licht.
Nackt und bloß stehe ich da
wenn ich nicht die Kraft aufbringe,
ein alltägliches Gesicht zu machen,
so als ob nichts wäre,
so als ob alles in Ordnung ist.

Das kann ich doch.
Hab‘ es immer gekonnt.
Und es gibt ja auch nichts,
nicht wahr?
Es gibt nichts.
Nichts zu befürchten.
Nichts.

Ich gehe ins Licht
und tausend Splitter
meines Ich
fliegen von mir fort.
Tausend Splitter.
So gehe ich auf den Scherben
meines Seins.

Werde ich je wieder ganz sein?


Gabriele Fleischhacker
12.8.2002

 Dunkelheit
 und Schwärze und Licht

  Dunkelheit, Schwärze.
  Angst und doch Geborgenheit.
  Man sieht mich nicht
  und das ist gut.
  Mein Herz pocht so laut
  daß ich Angst habe,
  es verrät mich.

  Ganz fest presse ich
  meine Fäuste
  auf diesen Verräter
  bis mir schwarz vor Augen wird.
  Irgendwie lustig:
  Schwarz vor Augen
  in dieser Schwärze.

  Nun sirrt es in meinem Kopf
  und ich muß
  die Fäuste runter nehmen,
  verliere meine Deckung.
  Aber es geht nicht anders,
  sonst werde ich bewußtlos
  und somit vollkommen hilflos.

  Das darf auf keinen Fall -
  geschehen.
  Auf keinen Fall.
  Lieber leiden.
  Ganz still –
  mit zerspringendem Herz –
  wo sind all‘ diese Splitter hin?

  Dann kommt das Licht.
  Ich hasse das Licht.
  Nackt und bloß stehe ich da
  wenn ich nicht die Kraft aufbringe,
  ein alltägliches Gesicht zu machen,
  so als ob nichts wäre,
  so als ob alles in Ordnung ist.

  Das kann ich doch.
  Hab‘ es immer gekonnt.
  Und es gibt ja auch nichts,
  nicht wahr?
  Es gibt nichts.
  Nichts zu befürchten.
  Nichts.

  Ich gehe ins Licht
  und tausend Splitter
  meines Ich
  fliegen von mir fort.
  Tausend Splitter.
  So gehe ich auf den Scherben
  meines Seins.

  Werde ich je wieder ganz sein?
  All‘ meine Splitter und Scherben finden
  und zusammenfügen können
  zu einem großen Ganzen?
  Eine Einheit sein?
  Werde ich all‘ die Zacken und Kanten
  glätten können?

  Damit ich mich
  nicht immer wieder
  daran schneiden muß?
  Damit ich mir
  nicht immer wieder
  Wunden zufügen muß
  um zu beweisen, - ja, was?

  Meine Wunschvorstellung:
  Ein Tiffany-Fenster zu sein,
  mit unterschiedlich
  geformten Teilen,
  in hellen und dunklen
  Farben und Schattierungen,
  mal zart und mal voller Kraft.

  Verbunden ist das alles
  mit Stegen und bildet so
  eine wunderbare Einheit
  in Form und Farbe.
  Und wenn das Licht
  Hindurch scheint,
  da leuchte auch ich.

  Ich leuchte dann
  in aller Liebe und Freude
  und erhelle und erwärme
  alles um mich herum.
  Ja, so sitze ich da
  und träume
  in aller Dunkelheit und Schwärze.


  Gabriele Fleischhacker
  13.8.2002