Das Tor

Das Tor

Fahl und schwefelgelb lodernd
steht dort oben das Tor zur Hölle.
Verlangend strecken die
ausgefransten Wolkenbänder
ihre Finger nach mir aus.

Rundherum ist da oben alles grau in grau,
aber man ahnt das Feuer dahinter,
das sich in diesem Tor sammelt
und auf die Erde herunterspeit,
unheilverkündend.

Die Bäume, die Häuser,
so düster, beklemmend.
Und doch klar und deutlich.
Als wenn die Zeit innehalten würde,
festgefroren wäre.

Meine Schritte hallen
durch diesen Morgen.
Kein Mensch ist auf der Straße.
Kein Vogel singt.
Ich bin alleine.

Als ich um die Ecke biege
erschrecke ich fast,
bin aber auch fasziniert.
In diesem Grau hebt sich
ein riesiger Farbfleck ab.

Es bedarf nicht viel Fantasie,
um dort oben die riesigen Schwingen
eines gefallenen Engels zu sehen
der zur Erde stürzt,
schwefelgelb glühend.


Gabriele Fleischhacker
25.11.2002