Chii

Chii

Er zeichnet weiche Konturen,
große, fragende, neugierige Augen,
ein Stupsnäschen
und einen Schmollmund,
der immer ein wenig offen steht.

Und erst das Haar!
Verschwenderisch wallt es den Körper hinab
bis zu den niedlichen Zehen,
umschmeichelt den üppigen Körper,
wilde Locken spielen Fangen
mit dem Wind.

Als I-Tüpfelchen,
als Höhepunkt,
als Blickfang –
als ob dieses Mädchen
so etwas bräuchte –
zeichnet er ihr
wunderschöne Kleider:

Farbenfroh, fröhlich schwingend,
mit grazilen Blütenmustern,
dass man sich gar nicht satt sehen kann,
mit Volants, Rüschen oder Spitzen,
mit Bändern, die keck im Wind flattern,
geknöpft – oh‘ diese matt schimmernden Knopfreihen –
gebunden – in wunderbaren Flechtornamenten –
gegürtet – wo gibt es nur dieses fantastischen, bestickten Gürtel?!

Das alles fast unverschämt kurz
oder weich das Knie umspielend oder auch
den Körper bis zu den Zehen ent- und verhüllend.
Alles so unschuldig und doch für den Betrachter lasziv,
dass es eine wahre Wonne ist
nur zu schauen, zu schauen, zu schauen.
Es wäre eine Sünde,
dieses Geschöpf zu berühren,
den Zauber zu zerstören.

Ach, was rede ich da!
Niemand kann ihren Zauber zerstören,
denn sie ist stark, muß stark sein.

Ich kann es kaum erwarten,
dass ihre Augen wissend schauen,
dass sie erwacht, daß sie begreift.

Sie ist dann keine Puppe mehr,
keine Maschine, kein Ding.
Sie wird Charakter haben.

Sie wird dann noch schöner,
noch bezaubernder,
noch verführerischer sein.

Ich freue mich schon darauf.
Komm her, Chii!
Erwache!


Gabriele Fleischhacker
28.10.2003