Alles normal

Alles voll normal 1

Alles voll normal. Oder?
Die Menschen
gehen ihrem Tagwerk nach,
die Autos fahren,
die Sonne scheint
oder es regnet.

Ich sitze da,
atme,
arbeite.
Doch ich bin weit weg.
Das alles betrifft mich nicht,
nicht wirklich.

Nur ein Bild zählt,
hat sich mir eingebrannt:

Vati, wie er da auf dem Bett sitzt
und um Fassung ringt
und neben ihm Mutti,
wie sie ihm die Arme
um die Schultern legt,
selbst hilflos.

Dieses Bild
schiebt sich immer wieder
vor meine Augen
und ich kann nur beten
“Mutter Gottes hilf‘!”


Gabriele Fleischhacker
16.7.2002


Endlich etwas Erleichterung durch das Schreiben.

Alles voll normal 2

Diese Ungewißheit.
Wie ein Raubtier
nagt es an meinen Eingeweiden,
frißt mich auf.

Und ich kann nichts tun.
Nur warten und beten und hoffen.
Leben. Ganz normal.
Mit Füßen wie auf glühenden Kohlen.

So viele Fragen,
so viel Ungewißheit -
und keine Antworten,
kein “es ist geschafft!”.

Manchmal zittere ich vor Angst,
was eventuell kommen kann,
was eventuell geschieht,
was eventuell passiert.

Dann ermahne ich mich,
besinne ich mich,
denke an schöne Momente,
an glückliche Momente.

Es kommt, wie es kommt,
denk‘ positiv,
es wird schon werden,
alles wird gut.

Alles nur Sprüche,
Redensarten.
Aber sie stimmen!
Sie helfen!

“Mutter Gottes, hilf‘!”


Gabriele Fleischhacker
16.7.2002, 10.30 Uhr